Quelle: GC Orthodontics Europe

Feste Zahnspange: Hightech auf kleinstem Raum

08. Juni 2021

Eine feste Zahnspange ist heute keine Frage des Alters mehr. Für Teenager und für Erwachsene ist sie eine akzeptierte Option auf dem Weg zu Traumlächeln, Vitalität und Gesundheit geworden. Ob unauffällig in der Keramik-Version oder als Statement mit stylischen bunten Ligaturen – die festen Zahnspangen von heute sind Hightech-Apparaturen und bewirken hochpräzise Zahnbewegungen, egal in welchem Alter.

Kieferorthopädische Therapiegeräte gibt es viele. Herausnehmbare Zahnspangen oder feste Zahnspangen aus Metall, Keramik oder Kunststoff. Deutlich erkennbare, weniger auffällige oder nahezu unsichtbare. Trotz ihrer zahlreichen Designs und unterschiedlichsten Behandlungsaufgaben haben sie alle eines gemeinsam: Sie helfen auf dem Weg zum strahlend schönen und vor allem gesunden Lächeln.

Wann eine lose, wann eine feste Zahnspange?

Grundsätzlich haben wir in der Kieferorthopädie Bremen für lose und feste Zahnspange unterschiedliche Einsatzgebiete. Ist das Wachstum fast abgeschlossen und die bleibenden Zähne nahezu vollständig durchgebrochen, sind feste Zahnspangen neben Alignern in der Regel das Therapiemittel der Wahl. Während lose Zahnspangen nur dann wirken, wenn sie regelmäßig getragen werden, entfalten festsitzende Spangen ihre Wirkung rund um die Uhr. Egal ob tagsüber oder nachts, in der Schule oder Uni, bei der Arbeit, beim Sport oder im Kino, ja sogar beim Essen oder Küssen. Die Kräfte, die von der Bracket-, Multibracket- oder auch Multibandapparatur genannten Zahnspange ausgehen, sind zu jeder Zeit am Werk.

Feste Zahnspange, Quelle: Ormco

Perfekt aufeinander abgestimmt: Brackets und Bogen

Zwei Dinge machen eine feste Zahnspange in der Hauptsache aus: die Brackets, die auf die Zähne geklebt werden, und der damit verbundene Drahtbogen. Jedes für sich bewirkt noch keine Zahnbewegung. Erst das Zusammenspiel von Brackets und Bogen (Draht) macht die feste Zahnspange unschlagbar effektiv.

Das funktioniert folgendermaßen: Der Bogen verfügt über eine gewisse Eigenspannung. Durch seine Fixierung im Bracketslot (eine Art Schlitz) wird diese Spannung über das Bracket auf den Zahn übertragen. Dabei wirkt entweder eine Druck- oder Zugkraft.

Durch die Gestaltung des Bracketschlitzes und der Bracketbasis wird vorgegeben, in welche Position der Zahn sich bewegen soll. In jedem Bracket ist sozusagen die für den Zahn erforderliche „Bewegungsinformation“ bereits vorprogrammiert. Der eingesetzte Bogen bestimmt die Form des Zahnbogens. Darüber hinaus kann der Kieferorthopäde durch Biegungen, die er an bestimmten Stellen gezielt in den Bogen einbringt, die gewünschte Zahnposition und die Bogenform optimieren.

Die Qual der Wahl

Vergleich: Konventionelles Bracket (li.) mit selbstligierendem Bracket (re.), Quelle: Ormco

Brackets und Bögen gibt es aus unterschiedlichen Materialien. Zusätzlich finden zwei Arten von Brackets Verwendung: konventionell ligierbare und selbstligierende. Sie unterscheiden sich in der Art und Weise, wie der Drahtbogen im Bracketslot gehalten wird. Das kann mithilfe kleiner Schlaufen (Ligaturen) aus Draht oder Gummi erfolgen. Bei selbstligierenden Brackets übernimmt diese Aufgabe ein eingebauter Verschlussmechanismus, z. B. ein Clip oder Schieber.

Hightech-Materialien für effektivste und schonende Zahnbewegungen

Vor allem drei Bogenmaterialien werden heute mit den Brackets eingesetzt: Nickel-Titan, Beta-Titan oder Edelstahl. Jede Legierung weist hierbei bestimmte Eigenschaften auf. Sie werden im Therapieverlauf gezielt durch den behandelnden Fachzahnarzt für Kieferorthopädie ausgenutzt.

Hochmoderne Drahtbögen, wie z. B. superelastische Nickel-Titan-Bögen (NiTi-Bögen), ermöglichen dabei durch ihre konstant niedrige Kraftabgabe besonders gewebeschonende, bioverträgliche Zahnbewegungen. Darüber hinaus sind wärmeaktive NiTi-Bögen verfügbar, die ihr Kraftniveau erst bei Körper- bzw. Mundtemperatur vollständig entfalten.

TIPP: Wenn sich nach dem Einsetzen der Zahnspange, wo in der Regel ein dünner thermo-elastischer Bogen eingesetzt wird, oder nach dem Wechsel eines thermo-elastischen Bogens ein Spannungs- oder Druckgefühl aufbaut, hilft es, wenn der Patient etwas Kaltes trinkt, Eis isst oder sogar Eiswürfel lutscht. Auf Grund seiner besonderen Materialeigenschaften entspannt sich der Bogen und der Druck lässt nach.

So läuft die Behandlung mit der festen Zahnspange ab

Bei jeder Multiband- bzw. Multibracket-Behandlung wird eine bestimmte Bogensequenz durchlaufen. Die Behandlung beginnt mit dünnen elastischen Bögen, die im Querschnitt rund sind. Danach folgt eine Phase mit stärkeren elastischen Bögen, die im Querschnitt rechteckig sind. Je höher die Dimension des kieferorthopädischen Bogens ist, desto präziser wird die Kraft auf das Bracket und damit den Zahn übertragen.

Nach den elastischen Bögen werden meist Edelstahlbögen eingesetzt, die als Führungsbögen und zur Stabilisierung dienen. In dieser Phase werden Lücken geschlossen und oft Gummizüge vom Oberkiefer zum Unterkiefer eingehängt, um den Biss zu verbessern.

Bestandteile einer festen Zahnspange, Quelle: intern

Zusätzliche Hilfsmittel können elastische Ketten, Druck- oder Zugfedern oder dünne Verblockungsligaturen sein, damit geschlossene Zahnlücken sich nicht wieder öffnen. Zum Finishing, also zur Feineinstellung des Bisses, können wieder weichere Bögen aus einer Titan-Legierung mit individuellen Biegungen für abschließende Korrekturen eingesetzt werden.

Die Materialeigenschaften der Bögen und die Behandlungsziele bestimmen, wann der Kieferorthopäde die Bögen wechselt. Die modernen Materialien machen einen Bogen- und Ligaturenwechsel alle vier Wochen überflüssig, so wie es früher üblich war.  Die Kontrolltermine können daher in Abhängigkeit vom verwendeten Bogenmaterial und der Behandlungsphase zwischen sechs und zehn Wochen sein.

Die Gesamtdauer der festsitzenden Behandlung ist abhängig von der individuellen Zahn- und Kiefersituation und kann stark variieren. Mit den modernen Materialien sind Behandlungszeiten zwischen 9 und 18 Monaten realistisch.

Kein kieferorthopädischer Blindflug dank exakter Diagnostik

Meist wird bei einer festen Zahnspange eine zusätzliche kieferorthopädische Zwischendiagnostik erstellt, um den genauen Behandlungsfortschritt zu überprüfen. Anhand der angefertigten Röntgenaufnahmen überprüft der Fachzahnarzt für Kieferorthopädie die Bewegung der Zahnwurzeln durch die feste Zahnspange. Im Gegensatz zur klassischen losen Zahnspange sollen sich die Zähne mit der festen Zahnspange körperlich, d.h. mit der Wurzel im Knochen, bewegen und nicht nur die Zahnkrone gekippt werden. Außerdem können auf einer Röntgenaufnahme rechtzeitig selten auftretende Wurzelveränderungen (z. B. Wurzelresorptionen) und der Knochenverlauf erkannt und beurteilt werden.

Unauffällige Behandlung mit Ästhetik-Brackets

Ästhetische Keramik-Brackets, Quelle: GC Orthodontics Europe

Nicht nur im Berufsleben stehende Erwachsene, sondern auch immer mehr Jugendliche wünschen sich eine möglichst unauffällige Bracket-Behandlung. Diesem Wunsch kann dank Miniatur- oder rhodinierter Metallbrackets sowie Brackets aus Keramik oder Kunststoff entsprochen werden. Standardmäßig werden die Brackets auf der Außenseite der Zähne platziert. Bei der Lingualtechnik werden die Brackets dagegen an der Innenseite der Zähne befestigt.

Der krönende Abschluss

Damit die optimale Zahnposition und die neue Biss-Situation stabilisiert werden und langfristig erhalten bleiben, schließt sich an jede kieferorthopädische Korrekturphase eine Stabilisierungs- und Haltephase an. Neben herausnehmbaren Schienen, Zahnspangen oder elastischen Positionern werden kleine feste Stabilisierungsdrähte an die Innenseite der Frontzähne geklebt. Damit diese festen Retainer dauerhaft für Halt sorgen können, sollten sie regelmäßig vom Zahnarzt oder Fachzahnarzt für Kieferorthopädie kontrolliert werden.

 

Quellen:

  • Hasund A, Rudzki-Janson I, Bingler P: Edgewise-Technik. In: Kieferorthopädie II. Therapie. Hrsg. Diedrich P. Urban & Fischer. 2000. S. 190-219.
  • Gerkhardt K: Lingualtechnik. In: Kieferorthopädie II. Therapie. Hrsg. Diedrich P. Urban & Fischer. 2000. S. 234-244.
  • Sonnenberg B, Göz G: Die Entwicklung der festsitzenden Apparatur. Teil 1. In: zm 2002;92(12):80-82.
  • Sonnenberg B, Göz G: Die Entwicklung der festsitzenden Apparatur. Teil 2. In: zm 2002;92(13):84-86.
  • Sonnenberg B, Göz G: Die Entwicklung der festsitzenden Apparatur. Teil 3. In: zm 2002;92(14):82-84.
  • Bock JJ, Bock J: Festsitzende Apparaturen. In: Grundwissen Kieferorthopädie. Interdisziplinäre Zusammenarbeit, Diagnostik, Therapie. Spitta Verlag 2005. S. 98-105.
  • Ludwig B, Glas B: Material. In: Selbstligierende Brackets. Konzepte und Behandlung. Hrsg. Ludwig B, Glas B: Thieme Verlag. 2010. S. 10-30.
  • Das Gesundheitsportal medondo.health